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Was soll ich sagen - Großartig!
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
David Copperfield erzählt hier, so mit ca. Ende 30, seine bisherige Lebensgeschichte, seinen Leidensweg, sein Heranwachsen. Bereits seine Geburt steht unter keinem guten Stern und so hat er in seiner Kindheit auch stark unter seinem Stiefvater und dessen Schwester, die ihn höchstgradig autoritär und streng erziehen, zu leiden. Dies vor allem nachdem seine geliebte Mutter verstirbt. Er lernt früh die Kinderarbeit und die kinderfeindlichen Schulmethoden kennen. Aber auch Lichtblicke, wie seine Tante Betsey, die ihn bald auch, zuerst aber widerwillig, zu sich nimmt oder seine beiden Schulkameraden Steerforth und Traddles, von denen einer später allerdings Auslöser der wohl größten Tragödie in dem Buch sein wird. Er steigt beruflich auf, muss aber dann seine Laufbahn aus persönlichen Gründen unterbrechen. Es geht also mal auf, mal ab, allerdings mehr auf, dass muss man sagen, Oliver Twist ist größtenteils schlimmer dran. Er wird älter, er lernt nette Menschen kennen, die ihn sein Leben lang, zumindest bis Ende des Buches, begleiten, aber auch arglistige und hinterhältige, die ihm und anderen sehr zu schaffen machen. Und nicht zuletzt natürlich auch Frauen, die ihn mehr als einmal in tiefste Verwirrung stürzen. Charles Dickens ist für mich einer der Allergrößten. Er beschrieb dermaßen liebevoll und detailliert die Figuren, die Umgebung und seine Zeit, dass man sich bereits nach wenigen Seiten im viktorianischen England wiederfindet. Jede Person in dem Buch, die auch nur eine kleine Rolle spielt, steht vor einem. Ob es nun die eigenwillige Tante Betsey ist, der geistig behinderte Mr. Dick oder Mr. Micawber, der nicht mit Geld umgehen kann. Aber auch die unsympathischen Figuren wie der gemeine Uriah Heep oder der Lehrer Mr. Creakle, Dickens mochte sie irgendwie doch alle, sonst hätte er sie nicht so beherzt beschreiben können. Also die Figuren, nicht die realen Vorbilder. Aufgrund dieser tollen Schreibart und der Abwechslung, Personen tauchen auf, verschwinden, kommen dann wieder usw, wird es auch die ganzen 1000 Seiten niemals langweilig. Zumindest ging mir das so und ich habe in letzter Zeit viele dicke Schmöker gelesen, bei denen man getrost die Hälfte hätte streichen können!! Großartig wie er die Gefühle und Stimmungen von Kindern und Jugendlichen auffing und damit die Mißachtung ihnen gegenüber ans Licht brachte, die leider damals normal war. Überhaupt hat Dickens immer soziale Mißstände angeprangert und zu ändern versucht. Mich zieht er immer wieder mit seiner Mischung aus scharfer, realistischer Beschreibung und einer Prise Humor bzw. einem Augenzwinkern (denn man kann bei David Copperfield zwischendurch auch mal lachen oder zumindest lächeln) in den Bann. Da ich die volle Punktzahl vergebe, kann man sich denken, dass es wohl nichts, oder zumindest nicht viel, zu bemängeln gibt. Das ist auch vollkommen richtig, aber ein klitzeklein (!) wenig hat mich gestört, dass in dem Buch soviel geweint wird. Bei tragischen Ereignissen ist das ja in Ordnung, aber wenn fast bei jedem Wiedersehen (nach längerer Zeit) oder bei manchen netten Sätzen gleich die Tränen fließen, dann wird mir das irgendwann doch zuviel. Aber wie gesagt, das schmälert nicht das Gesamtbild. Ein tolles Buch!
Eine Rezension von deathdealer92618 > Bochum
vom 8. Januar 2009 |