Pompös-bombastisches Meisterwerk made in Germany ODER: Der unhei(mliche) Vorurteilskiller
• • • • •   (bewertet mit 5 von 5 Punkten)

Immer wieder landen CDs auf den ersten Chartplätzen, deren Massenerfolg ich in der Regel nicht einmal annähernd nachzuvollziehen in der Lage bin. Hierdurch misstrauisch geworden ließ ich dieses Album lange unbeachtet. Sicher wieder irgendein Mainstream-Produkt, das einen Augenblick-Hype erfährt, um sehr bald wieder sang- und klanglos für immer unterzugehen und sich allenfalls auf Wühltischen wiederzufinden. Und dann auch noch Gothic bzw. Rock? Absolut nicht meine Geschmacksrichtung. Niemals! Nicht zuletzt dieser Name, "Unheilig"... (?)

Der anhaltende Charterfolg machte mich nun doch zusehends neugierig. Zudem war ich angenehm überrascht von der Singleauskopplung, die ich im Radio gehört hatte. Gut - der Rest der CD wird aus ungenießbaren Füllselsongs bestehen; wie sollte es anders sein. Beinahe ärgerte ich mich über mein plötzliches Einknicken, als die Kassiererin das "Werk" eintütete.

Und dann, während der ersten Rotation im Player, muss ich ungläubig hinnehmen, wie diese mir gänzlich unbekannte Formation mit dem merkwürdigen Namen peu a peu alle meine zementiert anmutenden Vorurteile zerstört. Sehr viele Rockelemente bekomme ich zu hören, aber in Kombination mit schönen Melodien sowie aussagefähigen Texten, dazu meisterhaft düster-bombastisch arrangiert, schleichen sie sich augenblicklich in meine Gehörgänge. Balladen sind ebenfalls vorhanden, aber nicht klebrig-süß gleich rasch ungenießbarer Schmonzetten, sondern gefühl- und kraftvoll. Füllsel? Ich traue meinen Ohren nicht. Kein einziger verunziert ein Album, wie ich es nur alle 2-3 Jahre einmal zu hören bekomme: Ein rundes, thematisch in sich abgeschlossenes Werk des beinahe ausgestorbenen Genres "Konzeptalbum" mit einer Homogenität, die sogar das symbiotisch gewählte Cover mit einschließt (und dessen scheinbare Bedrohlichkeit lediglich den bombastischen Klangteppich visualisiert). Mit einem Wort: Ein Meisterwerk!

Selten habe ich den Totalverlust meiner Vorurteile derart angenehm erleben dürfen. Diese aktuelle CD ist die erste des Jahres 2010, die ich nicht enttäuscht wieder zum Weiterverkauf anbiete. Mehr noch: Sie hat einen Platz im keineswegs prallgefüllten Regal der musikalischen Highlights in Sachen "Pop aktuell". Bedarf es der Worte mehr?
Eine Rezension von Ulrich Groh > ALLEMAGNE
vom 17. Juli 2010
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