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Nicht für Neu-Einsteiger geeignet!
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In seinem Gesellschaftsroman "Bleak House" entführt uns der geniale englische Schriftsteller Charles Dickens in seine Welt. Ganz England spricht von einem gewaltigen Gerichtsprozess, der schon viele unschuldige Seelen unglücklich gemacht hat, in dem er mit zermürbender Langsamkeit voranschreitet und Hoffnungen zerstört. Es ist der Erbgerichtsprozess "Jarndyce und Jarndyce". Gleichzeitig befasst sich der Autor noch mit der Vergangenheit einer der lieblichsten Frauengestalten der Literatur und deckt ein skandalöses Geheimnis auf, dass sämtliche Gesellschaftsschichten erschüttern wird.
Um den Wirbel, den sie einmal verursachen wird, ahnt die kleine Esther Summerson nichts. Ihre Vormundschaft hat eine mürrische, strengreligiöse Dame übernommen, die dem kleinen Wesen immer wieder einschärft, dass ihre Existenz eine Schande ist, die sie für ihre arme Mutter trägt. Ohne das Geheimnis ihrer Herkunft zu klären, schüchtert sie das Kind ein. Esthers Los verbessert sich jedoch, als sie nach dem Tod ihrer Sorgeberechtigten unter die Vormundschaft von Mr. John Jarndyce kommt. Der neue Vormund sorgt für eine gute Ausbildung seines Mündels. Schließlich übernimmt er Esther als Gesellschafterin seiner Nichte. Außer seiner Nichte befindet sich noch ein weiterer Schützling unter dem Dach von Bleak House, dem Wohnsitz von Mr. Jarndyce. Der junge Mann, Richard, und das Mündel Ada schließen mit Esther Freundschaft. Die Gefühle jedoch, die Richard und Ada füreinander haben, übersteigen freundschaftliche Gefühle. Der wohlwollende Mr. Jarndyce sorgt sich um die Zukunft seiner Mündel. Besonders Richard scheint nicht so recht zu wissen, was er beruflich anstreben will. Als er sich verhängnisvoller Weise dem juristischen Fach zuwendet, entwickelt er eine regelrechte Obsession im eigenen Erbrechtsfall Jarndyce und Jarndyce, was schließlich zu einer Entfremdung von Mr. John Jarndyce führt. Der junge Anwalt Guppy hat indes seine Liebe zu Esther entdeckt. Diese erwidert seine Gefühle zwar nicht, aber der junge Mann ist entschlossen, seiner Verehrten einen Dienst zu erweisen und möchte für sie das Rätsel ihrer Herkunft lösen. Die Spur führt zu einem rätselhaften Todesfall in einer heruntergekommenen Mietswohnung von Mr. Krook. Hier schnüffelt auch der Anwalt Tulkinghorn, der von Lady Dedlock beauftragt wurde, die Identität eines Gerichtsabschreibers zu klären. Dieser Mieter hat sich als Nemo (Niemand) bezeichnet und ist der Opiumsucht erlegen. Ein gewisser Jo, ein einfacher Junge, scheint mehr über die Hintergründe zu wissen. Der arme Kerl gerät durch die Aufmerksamkeit verschiedener Personen unter argen Druck, vor allem als ihn eine geheimnisvolle Dame bittet, die Grabstelle von Nemo besichtigen zu dürfen und schließlich von der Geheimpolizei gesucht wird. Als Jo schwerkrank seinem Schicksal zu entfliehen sucht, begegnet er ausgerechnet der gütigen Esther, die ihn sogleich aufnimmt. Am nächsten Tag ist er verschwunden, aber er hat leider seine Viren da gelassen. So erkrankt Esther an den Pocken, durch die sie entstellt wird. Vor ihrer Erkrankung hatte sie Anzeichen zarter Gefühle bei dem jungen Arzt, Dr. Allan Woodcourt, entdeckt. Aber nun glaubt sie, ihn für immer verloren zu haben. Um so glücklicher ist sie, als John Jarndyce, ihr geschätzter und geliebter Vormund, ihr einen Heiratsantrag macht. Bald darauf wird sie von der schönen und unnahbaren Lady Dedlock aufgesucht, die ihr ein Geheimnis entdeckt, welches die junge Dame glücklich und zugleich sehr betrüblich stimmt. Leider ist sie an ein Schweigegelübde gebunden, da sonst der gesellschaftliche Status und das Leben Lady Dedlock bedroht werden. Doch der skrupellose Anwalt ihres Ehemannes ist nicht so feinfühlig und konfrontiert Lady Dedlock mit ihre Vergangenheit, die er in mühevoller Kleinstarbeit rekonstruiert hat. Wenig später wird Tulkinghorns ermordet aufgefunden und die Ermittlungen von Inspektor Buket zeigen überraschende Erkenntnisse. Doch für eine Person kommt das Ergebnis leider zu spät...
Es ist schon ein Kunststück, über fünfzig Personen in einem Romanwerk unterzubringen, selbst wenn dieser über 1000 Seiten fasst. Gleichzeitig stellt der Schreibstil Dickens auch eine große Herausforderung an den Leser da. Mühsam muss er sich mit all den immer neu auftretenden Figuren vertraut machen, denn jede ist auf ihre Art ein wichtiges Bindeglied im großen Ganzen. Teilweise wird die Geschichte aus Sicht der Esther erzählt, dann wieder fährt ein namenloser Erzähler fort. Am Ende kommt tatsächlich noch ein überraschendes Ergebnis im Gerichtsfall Jarndyce zustande; die Rätsel der Vergangenheit und der Mordfall werden aufgelöst. Wie die Zukunft der Mündel Jarndyce und von der lieblichen Esther aussieht, soll jedoch an dieser Stelle natürlich keinesfalls verraten werden. Es wird jedem Leser die Geduld und das Ausharren gewünscht, damit er mit der Lektüre des harmonischen Endes belohnt werden kann!
Eine Rezension von Tanja Heckendorn "heckendorn" > Lörrach
vom 1. September 2008 |