Englischer Bildungs- und Entwicklungsroman mit herausragendem Gespür für sensible Stimmungsebenen
• • • • •   (bewertet mit 5 von 5 Punkten)

Charles John Huffam Dickens wurde am 7. Februar 1812, in Landport, Portsmouth, in Hampshire geboren. Er war das zweite von acht Kindern von John Dickens, einem Büroangestellten in Portsmouth und seiner Frau Elizabeth. Als der Vater 1822 beruflich versetzt wurde, ließ sich die Familie Dickens in 16 Bayham Street, Camden Town, in London nieder. Hier konnte der Vater ein Jahr später die Familie aufgrund der hohen Lebenserhaltungskosten nicht mehr ernähren und kam ins städtische Schuldgefängnis. So zug die Mutter mitsamt den Geschwistern ins Gefängnis. Der junge Charles lebte aber ausserhalb, um für die ums finanzielle Überleben kämpfende Familie Geld zu verdienen. Bereits mit zwölf Jahren musste Dickens zwangsmässig als Hilfsarbeiter in einer Fabrik für Schuhpolitur arbeiten. Der regelmässige Schulbesuch blieb ihm so verwehrt. Nachdem sein Vater 1824 aus dem Gefängnis entlassen wurde, ging Charles bis 1826 wieder zur Schule und wurde 1827 als Schreiber bei einem Rechtsanwalt angestellt. Er studierte verschiedenste Menschentypen und betrieb im britischen Museum literarische Studien. Im Jahre 1829 konnte er sich erfolgreich zum Parlamentsstenografen hocharbeiten. Zwei Jahre später arbeitete Dickens für die Zeitung "True Sun" und wurde kurz darauf Journalist bei der Zeitung "Morning Chronicle".

Charles Dickens erlangte als Schriftsteller erste Bekanntheit durch die "Pickwick Papers", die in monatlichen Heften erschienen. Seine folgenden ersten Romane entstanden ebenfalls als Fortsetzungsgeschichten in Zeitungen. Dickens entwickelte in diesem Werk eine ursprüngliche Erzählkraft, diese aus dem reichen Volksleben, besonders der unteren Klassen, ihre Quelle und ihr Muster fand. Dickens lag nicht nur etwas am literarischen Erfolg, er wollte das Gewissen seiner Zeit wachrütteln und den Weg für soziale Reformen ebnen. Seine scharfsichtigen und einfühlsamen Beobachtungen sind gepaart mit skurrilem Humor und schaffen so die von Dickens bekannte "Dicksche Atmosphäre" in seinen Werken. Die Geschichten Dickens`s dürfen für die damalige Zeit sicher nicht überschätzt werden. Dickens schrieb damals für ein englisches Massenpublikum, das ihn über Nacht zum beliebtesten Schriftsteller des Landes werden liess. Die Leser forderten mehr von seinen heiteren und lebendigen Geschichten und dieser schrieb dankbar weiter. Dennoch hat Dickens seine Erzählungen nicht auf dem Reissbrett entworfen. Seine Geschichten sind grossangelegt und komplex. Besitzen ein unnachahmliches Gespür für sensible Stimmungsebenen und die Figuren sind liebevoll und authentisch ausgearbeitet. Nicht ohne Grund ist "David Copperfield" einer der wenigen grossen, englischen Entwicklungs- und Bildungsromane und heute einer der beliebtesten Klassiker der Weltliteratur. In ihm prangerte Dickens nicht nur die sozialen Misstände seiner Zeit an, sondern auch die Missachtung des Kindes. Er ist dazu ein Appell an die Menschheit für kommende Generationen, gesellschaftliche Probleme miteinander zu lösen und dass die Gesellschaft verändert werden müsse. Es ist aber auch eine Kritik an der grausamen und harten Erwachsenenwelt und ein Aufruf für mehr Toleranz und Akzeptanz für die Schwächeren, Kranken, und besonders die sensibleren Menschen, vorallem sensibleren Kinder.

Aus der Ich-Perspektive erzählt der Hauptprotagonist David Copperfield seine Lebensgeschichte, angefangen bei seiner Geburt, bishin ins blütende Alter. Dabei fungiert der Hauptprotagonist gleichen Namens wie die vorliegende Erzählung als Erzähler der zwischenmenschlichen Ereignisse der Protagonisten, schildert ausserdem seine persönlichen Beobachtungen und Gefühle. Seine Erfahrungen, Handlungen und die mit deren einhergehende persönliche Entwicklung. In die persönliche und subjektive Erzählperspektive bindet Dickens regelmässig die direkte Rede ein. Dabei bevorzugt er die einfache erste Person im Präteritum. Charles Dickens selbst bezeichnete dieses Werk als seinen Liebling. Der Autor verband mit der Figur des David Copperfield offensichtlich bedeutende Stationen seines eigenen Lebens. Die Erzählstruktur des Romanes ist stark autobiografisch geprägt. Wie David Copperfield musste der junge Dickens mit anderen Jungen zwangsläufig in einer Fabrik arbeiten, musste erleben, wie ein geliebter Mensch ins Schuldgefängnis gesteckt wurde und wurde wie er im späteren Leben Anwaltsgehilfe, Reporter und schliesslich Schriftsteller. Trotzdem ist es nicht gänzlich die Geschichte seines Charakters. Dickens hat seine Geschichte zu Unterhaltungszwecken ausgeschmückt, autobiografische Elemente mit dichterischer Phantasie gewürzt und Momente in der Handlung geschaffen, die an Intensität kaum zu überbieten sind. Er war ein Sentimentalist. In seiner Geschichte sind alle Ereignisse, die von grossen Veränderungen zeugen äusserst emotional und einschneidend dargestellt. Oft hat es den Anschein, der naive und sensible Hauptprotagonist würde daran zerbrechen, doch durch seine Klugheit findet er immer wieder aus der Einsamkeit heraus, findet Trost bei geliebten Mitmenschen und Mentorenfiguren, die ihm über den Schmerz hinweghelfen.

Was Dickens`s Qualität als Erzähler bestätigt, ist sein grossartiges Gespür für einfühlsame, mannigfaltige Stimmungsebenen. Schon zu Beginn der Geschichte wird dies eindrucksvoll deutlich, wenn Dickens die Ängste und Sehnsüchte des auf die Mutter angewiesenen Kindes beschreibt. David Copperfield erlebt schon während seiner Kindheit scheinbar unvorstellbare Entbehrungen, Schicksalsschläge, die er nicht verkraften würde, wäre er nicht so stark und klug. Wie es Dickens schafft, diese Stimmungen auf sensible und menschliche Art zu beschreiben, habe ich noch nirgends lesen können. Nicht nur dass der kleine Copperfield auf Geheiss des verhassten Stiefvaters auf eine fremde Schule geschickt wird, er muss auch noch bei seiner Rückkehr feststellen, dass der Stiefvater ein Kind gezeugt hat und nun die Angst in ihm aufkeimt, die Liebe zu seiner Mutter zu verlieren. Was später dann folgt ist der Tod der Mutter an der zuchtvollen Unterwerfungsstrategie des Stiefvaters. Hier folgt eine Phase, in welcher sich David unendlich verlassen und einsam fühlt. Geprägt durch diese frühen Entbehrungen ist er auf das Verständnis seiner Umwelt angewiesen. In diese von Trauer und intensiver Melancholie getragenen Momente mischt sich immer wieder der bekannte heitere Humor, für den Dickens so bekannt ist. Die skurrilen Charaktere, die allesamt sehr realistisch gezeichnet sind und doch zuweilen ihre kurios-menschlichen Eigenheiten besitzen, sorgen für die Wechselbeziehung von melancholischen und heiteren Stimmungsebenen. Obwohl Copperfield schlimme Zeiten erlebt, stösst er doch immer wieder auf Menschen, die ihm zeigen, dass das Leben doch lebenswert ist und es sich nie lohnt aufzugeben.

Fazit: Einmal ausgelesen hat man das Gefühl, dass die Geschichte eines guten Freundes zuende gegangen ist. Das letzte Kapitel des Buches gehört zu den Schönsten, die ich bisher gelesen habe.

Eine Rezension von Tark "Tras" > Schweiz
vom 5. Dezember 2009
Kundenrezensionen:
18. Englischer Bildungs- und Entwicklungsroman mit herausragendem Gespür für sensible Stimmungsebenen (die aktuell angezeigte Rezension)
17. David Copperfield
16. Zeitloser Klassiker
15. Was soll ich sagen - Großartig!
Zur Übersicht ...
 
Angebote zu
 ab 1 Euro!

Siehe auch folgende Artikel:
Oliver TwistEncore von David Garrett (in Musik)
David Garrett - David Garrett Live - In Concert & in Private von David Garrett (in Musik)
One Love von David Guetta (in Musik)
Classic Romance (limitierte Sonderedition inkl. Bonusmaterial) von David Garrett (in Musik)
Classic Romance von David Garrett und Various (Komponist) (in Sonstiges)
Mehr zu  England,  Englisch,  Romane & Erzählungen
Home ...,    
,    Begleitseite ...
Herausgeber dieser Seite ist DomainLoc.com GmbH - Partner von

Copyright © DomainLoc.com GmbH (Impressum)