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Zeitlos!
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- "Meine Mittel sind vernünftig, nur mein Zweck ist wahnsinnig", lässt Melville Kapitän Ahab sagen. Dies wird immer gern zitiert, wenn das vielschichtige Werk als geniale Parabel auf die Moderne interpretiert wird. Und wahrlich, das ist es! - Wohl kein zweiter, abgesehen vielleicht von Joseph Conrad, hat das Meer in einer solch epischen Breite beschrieben. - Zweifellos enthält `Moby Dick` viel naturwissenschaftlich Überholtes und zweifellos hat `Moby Dick` Längen, doch sollten wir uns auch auf diese unbedingt einlassen, lassen sie uns doch um so tiefer eintauchen in eine andere Welt und uns bewegen in eben dieser, in einer Welt, die unwiederbringlich (und das ist gut so) versunken ist. - Nicht zuletzt ist `Moby Dick` auch das, was man heutzutage einen Longseller nennt (was große Literatur freilich oft ist), obwohl nahezu jeder heutige Leser den Ausgang schon vorher kennt. Das ging mir natürlich auch so, und ich habe mich beim Lesen oft gefragt, ob sich der Lesegenuss noch gesteigert hätte, wenn sich zu der stilistischen Brillanz und der unausschöpflichen Faszination, die von dem Werk ohnedies ausgeht, noch das Nichtwissen um die Auflösung des großen äußeren Spannungsbogen gesellt hätte. Wie viele Werke der Weltliteratur haben ein dramatischeres Finale?
Eine Rezension von Torsten Kaiser "aureatus" > Hamburg
vom 20. November 2009 |